Was weiß die Kunst über mich

Personalisierte Musik. Personalisierte Masse? Gibt es das? Foto: Hufner

Vor einiger Zeit lief auf ARTE eine Dossier zum Thema „Daten“ und deren Nutzung, Anwendung, Kritik etc. Im Gesundheitswesen und bei Mario Sixtus‘ Beitrag über Gesichtserkennung – und was die Datensammler über einen wissen. Ja, was sie möglicherweise mehr über einen wissen als man selbst. Dass sie sogar zukünftiges Verhalten ermitteln werden können.

In dem Moment kommt dem Begriff des Authentischen eine eigenartige Bedeutung zu. Man ist auf der einen Seite selbst anscheinend weniger authentisch als die Daten, die es über einen gibt. Der Gedanke, sich zu verstellen, um den Daten Fallen zu stellen, scheint aussichtslos. Man bleibt stets weniger als man selbst. Man wird sogar langsam zu der Person, die man sein soll.

Das Netz weiß mehr. Es kann für einen wählen, es kann Vorschläge dafür machen, was man als nächstes tun kann. Es wird zu einem unterbewussten Superbewusstsein. Der Freudsche Ratschlag, „Wo Es war soll Ich werden“ bekommt so eine eigenartige, geradezu irreale Bedeutung. Doch das alles beiseite und im Gedanken.

Was bedeutet das für de Kunst? Sind die Algorithmen so gut, dass in Zukunft selbst Kunst personalisiert angeboten werden kann. Wäre da nicht ein Markt Projekt der Zukunft? Welche Auswirkungen könnte das auf die zukünftige Gestaltung der Werke haben. Die Kulturindustrie war ja bislang vor allem an der Masse orientiert, deren Verhalten anscheinend weniger präzise erfasst werden kann, als das Verhalten Einzelner. Sie ist ja nicht einfach die Summe der Einzelnen. Oder kann man auch eine Masse personalisieren?

Statt personalisierter Werbung, personalisierte Kunst. Und zwar nicht, indem man aus dem Fundes des Bestehenden etwas mehr oder weniger Passendes auswählte, sondern ganz frische „Werke“ schüfe.

Wahrscheinlich ergibt das keinen Sinn. Schon wegen der Frage des Urheberrechts (und wäre die Frage geklärt), wegen der Frage der Verwaltung dieses Rechts. Und wegen der Singularität des Ergebnisses. Die Dinge verschwände ja nach ihrem Erscheinen. Die permanente Neuheit, weil ja jede Situation neu ist, stünde dem Wunsch nach Wiederholung entgegen – es sei denn, auch diese wäre Bestandteil des Algorithmus‘.

Ich fürchte, die Kunst als das Inidividuellste ist ein Phantom. Sie lässt sich im Grunde nicht berechnen.