Die Reform, die es nie gab – Funkhaus Europa

Radio Europa damals. Foto: Hufner

Vor einigen Tagen schreckten Meldungen und Artikel bei Spiegel-Online auf. Funkhaus Europa soll umgemodelt werden zu einem Dudelfunk. Die Quoten seien im Keller und die leichten Veränderungen, die man unternommen habe, zeigten keine Wirkung. Man braucht eine Reform:  Reform von „Funkhaus Europa“: Hitradio Dudelfunk. Von Christoph Twickel

Darin führt der Autor aus:

Noch senden auf „Funkhaus Europa“ die DJ-Größen der globalen Musikszene. Der Berliner Produzent Daniel Haaksman spielt die neuesten Clubsounds von Brasilien bis Angola. Die britische DJ-Legende Gilles Peterson wühlt für den WDR in seinen Plattenkisten. Der Autor und Musiker Danko Rabrenovic gibt den „Balkanizer“. (…)
Eine unverzichtbare Farbe im öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramm? So sieht man es beim WDR nicht mehr. Die Musiksendungen, die in den Nachtstunden liefen, sollen verschwinden; insgesamt 17 Sendungen. Hauptmusikformat soll nun eine tägliche zweistündige Magazinsendung sein, in der die Musik aus der Rotation kommt.

Die Sache ging in den Rundfunkrat und der hat dann letzten Montag der Reform zugestimmt. Twickel kommentierte das unter anderem so: WDR beschließt „Funkhaus Europa“-Reform: Der Sound des Immergleichen. Im Kommentar liest man:

Das Herzstück ist vielmehr ein Sparprogramm, das – mal wieder – einen öffentlich-rechtlichen Sender zu einer musikalischen Berieselungsstation degradiert, ihm also einen Großteil seiner Eigenständigkeit und Besonderheit raubt.

Wird hier wirklich ein Funkhaus des WDR in Grund und Boden gerammt. Bei Funkhaus Europa sieht man das auf deren Twitter-Account nicht so.

Der Text bei Spiegel-Online sei schlecht recherchiert:

Im Gegenteil, alles wird gut:

Es wird keine Berieselung geben …

Spiegel-Online hat also Wind bei einer Sache gemacht, die nicht zu befürchten ist? Oder ist der Twitter-Account gehackt worden? Klar ist, dass die Mitarbeiter von Funkhaus Europa wohl kaum bei Twitter die Entscheidung der Programmleitung kritisieren werden und schon gar nicht diejenige, die das „demokratische“ Gremium und sozusagen die Selbstkontrolle der öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der Rundfunkrat bestätigt hat. Da gibt es Treuepflicht.

Nur: Wenn alles beim Alten bleibt, außer ein paar Feinheiten, wo ist denn dann die Programmreform geblieben?

Eine Frage, die Kopfzerbrechen bereiten könnte. Man spielt es herunter, nicht eine Reform sondern eine Änderung der Programmstruktur hat es gegeben. Der WDR hat sich dazu ja selbst geäußert: Funkhaus Europa ab Juli mit neuer Programmstruktur und neuer arabischer Sendung. Ein Satz später spricht man von einer Änderung des Programmschemas und dann noch einen Satz später wieder von einer Reform. Unter anderem steht da, alles bleibt erhalten, wird aber zeitlich verkürzt, hinzu kommt eine arabische Sendung im Umfang von 30 Minuten. Auf 24 Stunden gerechnet wären das also etwas mehr als eine Minute Kürzung. Das kann man vertreten.

„Neben der neuen arabischen Sendung bleiben alle bisherigen muttersprachlichen Angebote erhalten, werden aber zeitlich verkürzt und digital neu aufgestellt.“

Nur müsste es auch so sein. Und vor allem: Was hat man jetzt eigentlich gewonnen? Trotz Sparzwang wird alles besser? Schön, wenn man es denn glauben könnte. Wir sind auf die Details gespannt.

Ein bisschen wird man sich noch wundern dürfen. Die Hörfunkdirektorin Valerie Weber betont in der gleichen Stellungnahme:

„Wir wollen zeigen, dass Kultur auch etwas ganz Modernes sein kann: Wir wollen bei unserer jungen Zielgruppe Interesse für neue Länder und andere Kulturen wecken. Moderatoren, die in mehreren Kulturen zu Hause sind, sind ebenso ein Markenzeichen des Programms wie die Farbe der Weltmusik (…)“

Auch das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen: Man wolle zeigen, dass Kultur auch etwas ganz Modernes sein könne. Hat man das also bisher nicht getan? Was ist denn das, das Moderne an der Kultur?

tl;dr

Der WDR zeigt, dass bei „Funkhaus Europa“ Kultur auch etwas ganz Modernes sein kann und macht eine Reform, die keine ist. Alles wird besser. Rolle rückwärts nach vorn. Im „Funkhaus Europa“ ändert sich nichts, außer durch eine Reform, die es nicht gibt.