Sparsamer Rundfunk, warum eigentlich?

Radio Philosophie. Foto: Hufner

In der letzten Zeit hat man immer wieder aus den Stuben der Rundfunkanstalten gehört, dass man gezwungen sei, zu sparen. Geld, das einmal zur Verfügung gestanden hat, steht nun nicht mehr bereit. Wieso eigentlich?

Es ist ja schon klar, dass auch öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten nicht einfach mit dem ihnen zugewiesenen Geld einfach jeden Tag Feste feiern können etc. Das Geld muss man nicht zum Fenster herauswerfen. Gleichwohl ist es einigermaßen unverständlich, warum es weniger wird. Otto Normalverbraucherin denkt sich: Es gibt doch schließlich die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten. Da meldet man den Bedarf an, so wie man das früher auch gemacht hat. Wenn der Bedarf begründet ist, dann sollten dafür auch entsprechende Mittel bereitgestellt werden.

Breite statt Tiefe

Offenbar stimmt da etwas nicht mehr. Während die Rundfunkprogramme zwar einerseits in die Breite gehen, also immer mehr verschiedene Wellen von einem Sender bespielt werden, sollen darin selbst dann zum Beispiel weniger Eigen- und Neuproduktionen gemacht werden; Wiederholungen sind gefragt. Was mir nicht klar ist, nach welchen Maßstäben darf der Rundfunk sein Geld dann verteilen. Im Südwesten ist ja ein Orchester der Sparwut zum Opfer gefallen, in Bayern werden Sendungen aus dem Programm gekickt. Gleichzeitig stellen sich die Online-Aktivitäten beispielsweise des Bayerischen Rundfunks mit neuen Schienen auf. So ist BR-KLASSIK gerade neu online gegangen. Mit Programmen bei denen man sich als Außenstehender schon fragt: Dürfen die das? Ist das etwa noch ihre Kernaufgabe, sich als Klassik-Portal zu gründen. Zum Beispiel mit einer Videoreihe zum Jazz mit Helge Schneider dabei? Aber darüber wird noch einmal gesondert zu berichten sein.

Im aktuellen Bericht der KEF findet sich eine kleine Anmerkung zum Deutschlandradio:

Das Deutschlandradio plant in mehreren Bereichen kleinere zusätzliche Einsparungen zu erzielen (beispielsweise bei den produktionsbezogenen Fremdleistungen und der GEMA-Vergütung). (S. 195) (PDF)

Das ist so eigenartig wie verquer: Einsparungen bei der GEMA-Vergütung! Das klingt geradewegs so, als ob man jetzt in Verhandlungen mit der Verwertungsgesellschaft eintreten wollte. Das ist aber nicht der Fall:  Gemeint ist, dass man weniger GEMA-pflichtiges Material spielen will und folglich entweder mehr Text oder mehr GEMA-freies Material einsetzen möchte. Wo genau die das einsparen wollen, bei der Musik aus den Charts. Nein, da wo es sich natürlich richtig lohnt: bei der zeitgenössischen Kunstmusik. Da wird man einfach weniger aktiv werden wollen. Die GEMA wirds verkraften, denn die steigert ja von Jahr zu Jahr sowieso ihre Erträge.

Sparen um jeden Preis

Der Witz bei der Sache ist aber doch folgender: Es muss für dieses Vorgehen kein plausibler Grund genannt werden. Warum will man da etwas einsparen, gibt es dafür auch einen sachlichen Grund? Kann es also sein, dass die Rundfunkanstalten sich in Zukunft vor allem als Sparanstalten installieren wollen? Dann ist es sicher das Günstigste, sie gleich dicht zu machen. Als Arbeitgeber für freie Autoren fallen sie auch immer mehr weg. Als Konkurrent für die Privatwirtschaft verhindern sie zugleich den Aufbau eigener Strukturen. Die Anstalten bremsen sich selbst aus und und sie bremsen die anderen mit aus!

Warum spart man also, statt zu fordern

Den Finanzbedarf kann man nur ermitteln, wenn er auch gestellt wird. Wie aber läuft das genau ab: Im Kulturbereich werden weniger Plätze für Features freigehalten, dafür neue Mittel im Online-Bereich versenkt, der bis auf wenige Ausnahmen neues Terrain für den Funk besiedeln will und existierende Formate möglicherweise daher bedroht. Teilweise mit grotesken Mitteln, dass man sogar gebeten wird, für den Rundfunk in den sozialen Medien zu werben. Natürlich ohne Gegenleistung. Einfach so! Übrigens so geschickt, dass man das nicht selbst einfordert, sondern dies eine Agentur machen lässt – für deren Arbeit dann natürlich Geld da ist. Wunder, oh Wunder. Statt für die Inhalte setzt man das durch Gebühren erhaltene Geld für das Marketing über fremde Firmen ein. Hat man, wenn ich mal fragen darf, dafür Finanzbedarf bei der KEF angemeldet?

Kein Bediener

Sicher wurde die Idee der KEF hier nur nicht richtig durchschaut. Sicher wurde auch die Transformation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht erkannt. Rundfunk ist immer in Transformation. Wo er verharrt, wird er über kurz oder lang sich von sich selbst verabschieden. Aber er verabschiedet sich auch von sich selbst, wenn er nicht auch seine Kraft aus sich selbst schöpft, sondern ein modisches Begleitmedium wird. Um zum Dienstleister an der Öffentlichkeit zu werden, muss er eben auch etwas leisten – und nicht nur zu bedienen versuchen. Dahin aber weist der Weg.

Die Masse der vielen Verschiedenen

So verstanden wird die KEF immer mehr ein leichtes Spiel haben, In- und Ouput in Beziehung zu setzen und mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk abrechnen können. Das Massenmedium richtet sich nicht nach der Masse aus, sondern wendet sich an sie – und die Masse besteht aus den Vielen, den vielen Verschiedenen.

2 Kommentare

  • @huflaikhan: Super Idee der öffentl.-rechtl. Anstalten, eine private Agentur daür zu bezahlen, Privatpersonen zu animieren, über ihre persönlichen Accounts in Sozialen Netzwerken kostenlos Werbung für die Anstalten zu machen! Vor allem, wenn diese Privatpersonen freie Autoren sind, die für eben jene Anstalten arbeiten. Wie nennt man sowas eigentlich, ethisches Outsorcing? Jedenfalls virtuos über Bande gespielt… Und die Einzigen, die verdienen, sind die, die gar keinen Content beitragen. Faszinierend.

    • Ja, falls aber der Eindruck entstanden sein sollte, ich sei als Privatperson angeschrieben worden, so ist das unrichtig. In Sachen Umbau bei BR-KLASSIK habe ich einen Fragenkatalog an die Pressestelle des BR gesendet. Auch wie die es mit dem sog. Dreistufentest halten etc.

      Und, dass die Jazzserie mit Helge Schneider wohl gerade vergurkt wird.