Ein Fest für gesamte Familie

Musik leeren Raum. Foto: Hufner

das ist der European Song Contest (ESC), heißt es. Noch vor den verschiedenen Echos, Grammys und Siemens-Musikpreisen. Die Sache ist Kult. In den letzten Jahren sind die Prozeduren zu Wahl des Vertreters oder der Vertreterin für Deutschland immer wieder mal geändert worden. Aber es war eine Sache mit Publikumsentscheid, unrepräsentativ zwar, aber immerhin.

Dieses Jahr ging das anders. Der NDR, als verantwortliche Rundfunkanstalt, hat den Vertreter festgelegt. Man will gewinnen und das geht nicht, wenn man das Publikum daran beteiligt. Der NDR wollte Xavier Naidoo ins Rennen schicken und fiel damit vorneweg härtest auf die Nase. Die Gazetten und die sozialen Netze heulten auf. Der Mann geht nicht, der ist politisch nicht zu (er)tragen. Das ist schon wahr. Politisch ist Naidoo reaktionär durch und durch. Nur: Was haben wir jetzt? Den doppelten Schaden. Der NDR hat sich hier als öffentlich-unredlicher Rundfunk bewiesen, der diese Reaktion ohne Schwierigkeiten hätte vorausahnen können. Und wir haben „Volkes Willen“, der sich nun als Volkssicherheitsdienst etabliert. Beides kann man eigentlich nicht wirklich wollen. Beides hätte man leicht vermeiden können.

Denn auch die Zukunft hat man sich so verbaut. Die Naidoo-Alternative, wenn sie in Stockholm nicht den ersten Platz holt, wird ein „Siehste!“ ernten. Die rein popmusikalische Antwort kann jetzt nur heißen: Miley Cyrus, Lady Gaga oder Adele, oder alle drei, müssen jetzt für Deutschland nach einer völlig sinnlosen Wahl ran, koste es was es wolle – und sei es eine höhere Haushaltsabgabe. Es geht jetzt um den deutschen Ur-Kult.