November 29, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Nicht nur E- und U-Musik, sondern auch G-Musik

Deutschland ist gut in Sachen Bürokratie. Für den ganzen Ärger, den man sich damit einhandelt, sollte man auch die Vorteile sehen. Alles lässt sich regeln. Für fast alles gibt es ein Gesetz. In der Musik gibt es zwar ein E- und U-Musik-Gesetz, nachdem man Anspruch auf das eine oder andere stellen kann, überhaupt spielt die Unterscheidung im realen Leben gar keine Rolle. Wenn es aber um Gewichte bei der Verteilung aus Verwertungsansprüchen geht, sie GEMA, dann kommt die Unterscheidung zum Tragen. Viele finden diese Differenzierung doof, überholt, alleingängig. Aber die GEMA lebt damit und das sogar erstaunlich konfliktfrei. Klar, es wird schon mal gestritten. Und es fühlen sich dann die einen oder anderen auch mal ungerecht behandelt. Sei es drum.

Aus Südwesten Deutschlands, da wo man angeblich alles kann außer (hoch)deutsch, kommt jetzt ein neuer Vorschlag: Ulrich Kopp von der Agentur Pepper and Salt, der die Werbegemeinschaft der Mieter in der Klettpassage in Stuttgart betreut,  sind Menschen ein Dorn im Auge, die sich an Plätzen aufhalten, wo sie nicht im Sinne der Werbegemeinschaft seiner Mieter erwünscht sind. Wegmachen! Das gestaltet sich aber nicht so einfach. Die Südwestpresse hat den Fall aufgegriffen. Sie schreibt:

Wie man den unerwünschten Besuchern beikommen könnte, hat Kopp sich überlegt: Klassische Musik soll Abhilfe schaffen. Mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) sei schon lange eine Durchsageanlage in Planung, über die dann eben auch beispielsweise die Musik von Haydn oder Mozart abgespielt werden kann. „Bestimmte soziale Randgruppen verschwinden dann“, sagt Kopp. Andere „Problem-Haltestellen“ haben es vorgemacht, in Hamburg werde beispielsweise fast überall Klassik gespielt. „Das Gedudel geht einem irgendwann so auf den Wecker, dass man sich dann eben lieber einen anderen Platz sucht“, sagt Kopp. [Quelle: Südwestpresse, Stuttgart]

Spielt man Haydn oder Mozart, verschwinden bestimmte soziale Randgruppen. Das „Gedudel“ dieser Musik gehe einem also auf den Wecker. Interessant. Es gibt sie also, die G(edudel)-Musik. Und vielleicht sollte man eigens Musik komponieren, die einem auf den Wecker geht. Man könnte damit das GEMA-Prinzip auf den Kopf stellen und den Wert einer Musik danach berechnen, wieviel Menschen sie verdrängen kann. Je weniger Zuhörer, desto besser.

Die Lebenslüge der Konzerthäuser!

Aber auch eine zweite interessante Beobachtung lässt sich daran machen. Die Lebenslüge der Konzerthäuser! Während also die Konzerthäuser andauernd versuchen, Publikum an sich zu binden, zeigt Kopp, dass sie dies mit falschen Mitteln tun. Mozart und Haydn, also die G-Musik, vertreibt die sozialen Randgruppen. Und was wäre das Konzertpublikum denn anderes als eine Randgruppe. Spielt also mehr Lachenmann, gerade in Stuttgart und gerade zu seinem Geburtstag und sowieso. Aber hängt nicht dieser G-Musik an, sie vertreibt auch noch die Letzten aus dem Konzert. G-Musik ist Bäh-Musik.