Oktober 1, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Das Ende eines musikpolitischen Musikmagazins

und die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Internets Rundfunks.

Ende des Jahres geht bei taktlos ja das Licht aus, nach 18 Jahren und über 180 Sendungen, alle mit Theo Geißler in der Moderation, der nie erkrankt oder unpässlich eine Sendung zu moderieren versäumte. Die Sendung, so wie wir sie kannten, wird dann nicht mehr existieren. Über die Gründe der „Absetzung“ von taktlos und über dessen Fortsetzung haben sich von Seiten des Bayerischen Rundfunks Oswald Beaujean und Dr. Meret Forster mit folgenden Worten geäußert.

„Seit 1998 haben wir in Kooperation mit der nmz sehr gerne und erfolgreich das Musikmagazin „taktlos“ im Radio gesendet, zunächst einmal im Monat, seit 2012 nur noch sieben Mal im Jahr. Die Relevanz dieser Sendung haben wir dabei nie in Frage gestellt. Seit 1998 hat sich jedoch im Zuge der zunehmenden Digitalisierung die Bedeutung verschiedener Ausspielwege sehr verändert. Darauf reagiert auch BR-KLASSIK mit einem umfassenden Klassikportal, das künftig noch weiter ausgebaut werden wird. Daher freuen wir uns sehr, dass Theo Geißler mit einer „taktlos“-online-Kolumne im neuen online-Angebot von BR-KLASSIK zweimal im Monat wichtige musik- und kulturpolitische Themen aufgreifen und kommentieren wird. So verabschieden wir uns keineswegs von den „taktlos“-Inhalten oder kündigen die Kooperation mit der nmz auf. Wie bisher jedoch auch im Radio alles weiterzuführen, ist bei eingefrorenen Programmetats weder personell noch finanziell möglich. Wir wünschen uns, dass die „taktlos“-Kolumne im Verbund mit der nmz über diverse online-Kanäle und soziale Netzwerke weite Kreise zieht und auch neue und junge Leser & User findet. Das möchten wir hiermit unterstreichen.

Herzlich,
Oswald Beaujean & Dr. Meret Forster“

Es geht also weiter, vielleicht. Unter dem alten Label mit veränderten Inhalten. Bedauerlich ist es allerdings, dass rein formal-finanzielle Gründe für das Ende von taktlos angeführt werden. Der Rundfunk besinnt sich auf seine Kernaufgabe: Das Internet und die sozialen Netzwerke. Das finden wir natürlich: Nicht so gut. Weil, da sind ja wir schon mit unseren privaten Unternehmungen. Da macht sich öffentlich-geförderte Konkurrenz nicht so gut. Und damit nicht der Verdacht aufkommt, wir hätten was gegen öffentliche Förderung: Nein, im Gegenteil. Vielleicht hätte man aber gerne davon etwas ab.

Wir übernehmen dann auch gerne die Abteilung Kultur und Zukunft. Hier im Sperrsitz gibt es einige hungrige Mäuler zu stopfen. Wenn BR-KLASSIK vielleicht noch eine Sendung einfach wegkickte und das eingesparte Geld uns zur Verfügung stellen würde, wir könnten damit gut etwas anfangen – auch die Kollegen bei BadBlog Of Musick.

PS – Nachtrag: taktlos war ja von Anfang an dem BR voraus. Wir hatten eine Internetpräsenz vom ersten Tag an, ebenso ein akustisches Archiv sowie (mit den damaligen Mitteln) sogar etwas wie Kommentarfunktion und Bildergalerien. Das wurde damals übrigens noch des Nachts in der Dunkelkammer entwickelt und eingescannt, etc.

7 Kommentare

  1. Schadé, wie der Franzose sagt.
    Geld als Begründung… Ich bin ja dafür, dass man endlich mal alles wegdigitalisiert inkl. Essen und Kleidern, dann gibt es keine Streit mehr. Alle werden dann gleich behandelt. <3

  2. Sehr schade, aber nun ja schon seit Sommer bekannt. Ich hätte mir jedoch kaum vorstellen können, daß ausschließlich finanzielle Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben. Schließlich fielen ja auch manche klare Worte zur bevorstehenden UKW-Abschaltung von BR Klassik seitens der NMZ. Da sind rein finanzielle Gründe ja beinahe noch die angenehmeren Gründe verglichen mit denen, die mir nahelagen…

    Was wird eigentlich der Endzustand sein, wenn man beim Radio so richtig sparen muß? Vermutlich das, was man üblicherweise im Internet macht, wenn man kein Geld hat und „Radio“ simuliert: einfach Musik dudeln. Da nun der Inhalt aber in diesem Fall ins Internet ausgelagert werden soll, wäre dies ein Komplett-Tausch Rundfunk gegen Internet. Wozu dann noch Rundfunk? Da kann der BR doch gleich eine Onlinezeitung machen und den Rest kostengünstig einstellen?

    Ich hätte es freilich besser gefunden, es hätte sich eine andere ARD-Anstalt auf den Weg gemacht, taktlos live zu übernehmen und sich dafür zur Hälfte an den (faktisch unveränderten) Kosten zu beteiligen. Man hätte dann sogar mal im Land umherwandern und eine Ausgabe aus einem anderen Funkhaus senden können. Mir fiele als dringend verbesserungswürdig und damit als taklos-Kandidat ja der MDR ein. Es grenzte an Revolution, taktlos auch auf Figaro im Programm zu haben. Nur: gerade deshalb sind solcherart Gedanken illusorisch – und im Hallenser Funkhaus, äh, Lampenladen, haben sie vermutlich nichtmal ein geeignetes Studio für eine Live-Sendung mit mehr als 4 Personen und müßten ins Hörspielstudio ausweichen. Der ganze MDR ist doch nur auf Konservendudeln ausgelegt.

    1. Da sind einige bedenkenswerte Anregungen dabei. Wir hatten zum Beispiel ja bei den ersten 18 Sendungen von ++contrapunkt++ 2002 bis 2003 eine Kooperation zwischen BR und MDR. Das lief eigentlich ganz gut.

      Grundsätzlich scheint es aber eben doch so zu sein, dass man die Einsparvorgaben durchziehen will. Genau in der Art wie Du sie beschreibst. Da ist es soetwas von unwahrscheinlich, dass an anderer Stelle eine andere Rundfunkanstalt selbst ein Fenster öffnen möchte. Dazu müssten sie es als „ihr“ Ding auffassen. Solche Themen wie in taktlos scheinen da eher weniger sexy zu sein.

      Bei der Gelegenheit möchte ich aber auch betonen, dass die ganzen Rundfunkanstalten des öffentlich-rechtlichen Sektors trotzdem noch außerordentlich gute und großartige Features produzieren. Man kann sie alle gar nicht so hören und würdigen wie man müsste. Dafür bin ich noch dankbar. Schade ist es trotzdem, dass insgesamt alles auf eher mehr Abbau als Auffau hinausläuft.

      PS: Wenn es der Einsatz und der Kritik der nmz wegen BR zu dieser Absetzung gekommen wäre, hätte man es sicher aber auch nicht gesagt. Doch denke ich, wie Du, dass dies eher nicht der Grund gewesen ist.

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