September 30, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Composing Life (Nico Sauer)

In einer ziemlich analytischen Art und Weise hat der Karlsruher Komponist und Mensch, Nico Sauer, die Bedeutung des Komponieren für die Lebensführung des Menschen in ein Video gefasst. Was zunächst vielleicht wie eine Persiflage auf Medienereignisse erscheinen mag, folgt einer sehr vitalen und tiefgründigen Logik.

Du sollst dein Leben komponieren!

Helmuth Plessner hat schon sehr früh in seinem Werk „Die Stufen des Organischen und der Mensch“ (Berlin 1975, Erste Auflage 1928), dem anderen Grundsatzwerk der Anthropologie (neben denen von Scheler und Gehlen), die Grundzüge zur Sprache gebracht, die Sauer in seinem Video nahezu 1 zu 1 umgesetzt hat.

„Existentiell bedürftig, hälftenhaft, nackt ist dem Menschen die Künstlichkeit wesenentsprechender Ausdruck seiner Natur. (…) Ortlos, zeitlos, ins Nichts gestellt schafft sich die exzentrische Lebensform ihren Boden. Nur sofern sie ihn schafft, hat sie ihn, wird sie von ihm getragen. (…) Der Mensch lebt also nur, wenn er sein Leben führt. (…) Er muß tun, um zu sein.“ (Helmuth Plessner, Die Stufen des Organischen und der Mensch, Berlin 1975, S. 316 f.)

Der Mensch kann eigentlich ja gar nicht anders, als sich sein Leben zu komponieren. Es gehört zu seiner Halbheit.

„Nur weil der Mensch von Natur halb ist und (was damit wesensverknüpft ist) über sich steht, bildet Künstlichkeit das Mittel, mit sich und der Welt in’s Gleichgewicht zu kommen. Das bedeutet nicht, daß Kultur eine Überkompensation von Minderwertigkeitskomplexen darstellt, sondern zielt auf eine durchaus vorpsychologische, ontische Notwendigkeit.“ (Plessner, ebenda, S. 321)

Die Frage ist dabei: Ist das Komponieren ein Selbstläufer, sind wir Autodidakten in der Lebensführung? Oder gibt es mehr oder minder sinnvolle Regeln, die einem beigebracht werden können? Muss man eine Schule des Lebens besuchen, die eine Lebensführung als verbindlich organisiert?

Für Sauer, das unterstelle ich, ist Composing Life Resultat der einer glückenden Interaktion mit der Umwelt. Er macht hier gleichwohl deutlich, dass es dafür gewisser Werkzeuge und einer bestimmten Handwerklichkeit bedarf.

Ohne Tun kein Ton.

Sauer steht noch am Anfang seiner Expedition in die Anthropologie der Komposition, der Künstlichkeit und der Kunst! Im Titel findet sich darauf der Hinweis: „Official Teaser“. Aus dem Duden erklärt: „a) (Werbesprache) kurzes Werbeelement, das die Neugier des Kunden wecken soll (z. B. ein kleiner Film-, Musik- oder Textausschnitt).“ Von Sauer ist also noch mehr zu erwarten. Und die FreeJays muss man einfach lieben.

Hier gehts schon tiefer in die Materie.

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