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Schiller war schon schlauer. Foto: Hufner

Großer Wunderlicher …

Der Chefredakteur der MusikWoche ist ulkig geworden. Er beschwört in letzter Zeit die Bedeutung der GEMA in einigen Texten in einer Weise, die nachdenklich macht, weil sie so schief sind.

„Selbstverständlich gibt es oft genug berechtigte Anlässe für Kritik – es wäre unheimlich, würde ein solcher Apparat völlig geräusch- und reibungslos funktionieren.“01)Manfred Gillig-Degrave: Apropos: GEMA-Kritik mit der Ressentimentkeule

Die Formulierung ist gut. Es gibt berechtige Anlass für Kritik, sonst wäre die Gema einem ja unheimlich. Reibungs- und geräuschlos wäre die Arbeit eben nicht gut, weil sie dann gut wäre. Da steckt wohl eher ein Motiv aus der Literatur dahinter. Pistolen mit Schalldämpfer, Dinge, die man totschweigt oder derart. Anders müsste man es ja nicht erwähnen, wenn es doch eine Binse ist, weil Apparate einer bestimmten Größe einfach nicht mehr reibungslos funktionieren. Seinen Gema-Zujublern stösst sogar nicht auf, dass er eigentlich die Gema doch nicht so mag, denn es gibt ja „oft genug“ Anlass für berechtigte Kritik. Oft, nicht selten. Da macht die Gema dann doch ganz schön ein Geräusch.

„Am Ende bleibt indes festzuhalten: Die GEMA vertritt die Interessen der Urheber, weil sie eine Organisation der Urheber ist. Gäbe es sie nicht, stünden die Urheber weitgehend ohne gesichertes Einkommen, wie gering auch immer, da.“ 02)Manfred Gillig-Degrave: Apropos: GEMA-Kritik mit der Ressentimentkeule

Schiller war schon schlauer. Foto: Hufner
Schiller war schon schlauer. Foto: Hufner

Das darf man sich gleich mehrfach auf der Zunge zergehen lassen. Es ist ein klassischer logischer Fehler, unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage: „weitgehend gesichertes Einkommen, wie gering auch immer.“ Wie gering darf es denn sein? Und wie weitgehend? Man könnte glatt meinen, Manfred Gillig-Degrave ist eigentlich gar nicht so gut auf die Gema zu sprechen, nur kann er es in schönen Worten wunderbar kaschieren.

Bekannt sind genügend Fälle, wo die Einnahmen der Urheber aus der Rechtwahrnehmung der Gema gegen Null gehen. Ist das etwa ein gesichertes Einkommen? Manche tun dies tatsächlich, das bein Null stehen. Und, ich will das Fass nicht aufmachen, es stehen auch musikalische Urheber mit gesichertem Einkommen da, die ihre Recht nicht von der Gema wahrnehmen lassen. Und ich sage nicht, dass das etwa schön wäre, sondern nur, dass es das gibt. Die Gema ist nicht alles, außer für manche. Der Chefredakteur der MusikWoche gehört offensichtlich dazu.

Fussnote(n)   [ + ]

01. Manfred Gillig-Degrave: Apropos: GEMA-Kritik mit der Ressentimentkeule
02. Manfred Gillig-Degrave: Apropos: GEMA-Kritik mit der Ressentimentkeule