Oktober 1, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Wenn die Künstler sich selbst und vor allem allen anderen ein Grab schaufeln

Die Meldungen der letzten Jahre und aktuell der letzten Monate sind nicht so sehr ermutigend. Unser „Partner-Blog“ (Musik – mit allem und viel scharf) der Autoren Philipp Krechlak und Holger Kurtz hat neulich einen Trend ausgemacht und „Streichkonzert – Neuer Trend: Orchestra-closing“ beititelt. Da ging es um das von mir schon zu früh als gerettete Kammerorchester des Dänischen Rundfunks. Das Endergebnis lautet aber auch hier. Schluss!

Es heißt Abschied nehmen von einer Institution des öffentlichen Lebens. In einer Welt, die sich dem sogenannten freien Unternehmertum unterordnet, ist definitiv kein Platz für Idealismus in Sachen Kultur. Sturmwolken sind längst aufgezogen. Zuletzt auch ganz übelst in Wuppertal, wo der Kulturvernichter selbst Dirigent ist und sich einfach aus dem Staub macht. Abrissarbeiten in vollem Gange.

Sämtliche Rettungsversuche sind ebenso flöten und den Bach runter gegangen: Das Gezocke mit der Intelligenzerhöhung durch Musik, die Senkung der Kriminalitätsraten durch Musikmachen, das Umhertreiben in Schulen. Mal sehen, was man noch einmal probiert.

Die Sache ist doch einfacher: Musik gehört zu den Sinnen. Sinne, hören-fühlen-sehen-schmecken-riechen, sind so essentiell wie die Mutter- oder Vaterliebe. Sie sind Wärme in der kalten Welt, die ohne Sinnlichkeit sinnlos wird. Und da passen Orchester genauso rein, wenn sie für die Sinne sorgen. Allerdings auch dann nicht, wenn man wie in Dresden im Silvester-Konzert Kalmans Czardasfürstin hinrichtet, mit grenzenloser Reputation ins Nichts. Das ist kalter Kaffee, dünne Plörre, Bäh.

Patrick Hahn hat das in einem Facebookeintrag nett zusammengefasst:

stars singen csardasfürstin: und keiner kanns auswendig ‪#‎thielemann‬ ‪#‎florez‬ ‪#‎netrebko‬ ‪#‎breslik‬ ‪#‎Semperoper‬ @ZDF ‪#‎ausverkauf‬
#thielemann begeht ‪#‎verrat‬ an allem, was oper(ette)auszeichnen kann: der reinste ‪#‎affenzirkus‬
jeder im publikum kann den text besser …

Die „kleinere“ Staatsoperette in Dresden hätte eine 1000fach bessere Version gestemmt. Und ohne die Namen da. Aber was soll man machen, wenn selbst diejenigen nichts von Kunst halten, die sie betreiben?

Dem Oberfusionierer und Geistesflasche, die man nicht rief, Boudgoust samt seiner tollen Gehilfen in Management und Rundfunkrat schwebt sicher vermeintlich gebührenverlustvorauseilend ein Orchester vor, wie es das Bild oben zeigt. Und er könnte es als kindgerecht verticken.

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