Medienkompetenz, die

pree im Spiegel. Foto: Hufner

Medienkompetenz, die: Kompetenz der Medien, auf Medien einzuwirken. Die Medien fühlen sich zuständig für den Menschen. Medien brauchen Kompetenz, nicht Menschen, wie vielfach angenommen wird. Überhaupt wird die Bedeutung der Kompetenz überbewertet.

Ich bin kompetent in Kloreinigung und Rülpsen. Mein Nachbar kennt sich gut aus mit Autos. Ich habe früher nur Quartett gespielt und hatte Matchboxautos. Ich wusste, was es gab.

Kompetenz im Umgang mit Computern fordern immer wieder mal ziemlich viele. Man werde abgehängt, wenn man sich nicht früh genug daran mache, ein Smartphone mit einem Desktop-PC zu koppeln und mit irgendwelchen Apps zu synchronisieren?

Das Problem mit der Medienkompetenz ist doch ein ganz anderes. Man braucht sie nicht. Man erwirbt sie mit der Zeit. Eine ganze Generation von Hanseln meines Alters sind ohne Computer groß geworden, haben noch per Hand Briefe geschrieben, Hausarbeiten mit der Schreibmaschine, dann mit Tipp-Ex und mit Schere das ganz im Form gebracht. All diese Handwerke von damals sind heute firm mit den Computern der Gegenwart. Viele hatten sogar noch Erfahrungen mit Sinclair, Wang und so Zeug, Atari, Commodore und Amiga. Konnten zur Not Schnittstellen zwischen Text und Nadeldrucker programmieren.

Das Internet soll jetzt also ein so neues Medium sein, das man nicht ohne Einweisung sich beibringen kann. Sicher sind Lehrpläne ausgeheckt, damit das alles flott und strukturiert über die Bühne geht. Leider hat auch Johnny Haeussler in der ZDF-Sendung Log-In darauf abgehoben. Obwohl er anfangs noch ein Plädoyer für Langsamkeit gehalten hat.

Welche Kompetenz also sollte da was bringen. Kompetenz zu unterscheiden, welchen Browser man bevorzugt, wie man Emails richtig retourniert? Wo Abofallen lauern, was man downloaden darf und was nicht, was man uploaden darf und was nicht. Wie man sein Profil sichert, wie man anonym im Netz surft, wie man andere Menschen mobbt?

Braucht man danach nicht für alles Kompetenz. Zimmeraufräumkompetenz, Nichtimwegstehkompetenz, Anrufannahmekompetenz, Kontoauszugsortierkompetenz, Messerundgabelkompetenz, Sitzkompetenz? Überdiestraßegehkompetenz? Aufderstraßestehkompetenz?

Nein, Medienkompetenz ist was besonderes will man uns einreden. Irgendwie wichtiger als alles andere, aber mindestens genauso wichtig.

Ich denke, es ist anders: Man braucht all diese Kompetenz nicht, man muss nur sein Gehirn einschalten und üben und Fehlermachen und Fehlerbemerken und machen und wieder ganz normal sein. Das Internet ist nix, was man lernen kann.

Kommunikation kann man üben und lernen. Also gelungene Kommunikation und das Bemerken von gescheiterter Kommunikation. Alles andere ist doch nur eine Ableitung.

PS: Mein alter Philosophie-Professor aus Gießen, Odo Marquard fand ja einmal den netten Begriff von der Inkompetenzkompensationskompetenz. Aber das hat mit dem Gegenstand hier nichts zu tun. Nagut, vielleicht etwas. Der Prozess, den Marquard für die Philosophie beschrieb, setzt sich in gewissem Sinn auf im Bereich überhaupt des Intellektualismus fort. Nach der Philosophie verkriechen sich jetzt auch die Intellektuellen hinter „wissenschaftlichen“ Studien, geben das eigenständige Denken auf. Lassen alles kommen, statt mal dem Diskurs ordentlich eines auf die Mütze zu geben. Ich meine, wer regt heute noch auf? Nur die Bekloppten. Die Sarrazins, Spitzers und Höhlers: Die Untergangzeugen. Wie positiv wirkt dagegen die dunkle philosophische Materie, die Adorno noch auch die Gesellschaft geschleudert hat.

Vielleicht kann dies noch eine Judith Butler leisten, vielleicht ein paar Leute aus der ästhetischen Gesellschaft um K.K.. Vielleicht mal noch so ein Pfeilchen von Siggi Becker. Nicht dass es darauf, auf „uns“, ankäme. Wie sind ja nur die alten Säcke, die vollkommen unerzogen ins Netz gekommen sind.