Dezember 1, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Seite 118342

Gustav Falke, ein Name, der mir eigentlich gar nichts sagt. Auch wenn es nur schwer geht, dass man in einer digitalen Bibliothek stöbert, muss man das ab und zu machen. Solche komischen Dinge kann man dann da finden.

Gebet

Herr, laß mich hungern dann und wann,
Satt sein macht stumpf und träge,
Und schick mir Feinde, Mann um Mann,
Kampf hält die Kräfte rege.

Gib leichten Fuß zu Spiel und Tanz,
Flugkraft in goldne Ferne,
Und häng den Kranz, den vollen Kranz,
Mir höher in die Sterne.[01]Falke: Ausgewählte Gedichte. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 118342,(vgl. Falke-AG, S. 7)

Klingt ein bisschen auch so nach schwerem Protestantismus, dem es gut gehen muss, damit er es sich erlauben kann, sich zurückzunehmen.

Ist ja manchmal auch eine illusorische Selbsttäuschung durch die Veränderung des Ziels in die Ferne seinen Wert zu erhöhen. Denn das lässt sich ja nicht durch die Positionsänderung bestimmen.

Eigentlich ja ein überaus interessanter Gedanke, der sich gesamtgesellschaftlich durchgesetzt zu haben scheint. Wie auch den Wert der Arbeit daran zu bemessen, was dabei herausspringt. So gesehen müsste die Arbeit der Vorstände und der Manager die edelste sein — gleich nach derjenigen, die nur auf der Ausschüttung des Zins beruht.

Falks letzter Band soll nach der Biographie der digitalen Bibliothek „Das Leben lebt“ (Letzte Gedichte) geheißen haben. Die Umkehrung hat Ferdinand Kürnberger in „Das Leben lebt nicht.“ Adorno hat das dann ja aus genau der Kürnbergerschen Perspektive in der Position des Adlers kritisiert.

„Wo die Menschen am nächsten dabei zu sein glauben, wie im Fernsehen, das ihnen in die Wohnung geliefert wird, ist die Nähe vermittelt durchs sozial Ferne, die konzentrierte Macht. Nichts könnte eindringlicher symbolisieren, daß ihnen ihr Leben, das sie besitzen und zu erwerben wähnen und das sie für das Nächste und Wirklichste halten, seinem konkreten Inhalt nach in weitem Maß von oben her zuerteilt wird.“[02]Band 8: Soziologische Schriften I: Gesellschaft (I). Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 4758 (vgl. GS 8, S. 16)

Man muss freilich nicht so weit gehen, man kann dies auch in den privaten Bedingungen wiederfinden, nicht zwangsläufig doch häufig genug.

Fussnote(n)

01 Falke: Ausgewählte Gedichte. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 118342,(vgl. Falke-AG, S. 7)
02 Band 8: Soziologische Schriften I: Gesellschaft (I). Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 4758 (vgl. GS 8, S. 16)