September 28, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Reinsberg 2008 – Unwohnliches Dorf

Gestern las ich in der Berliner Zeitung unter der Überschrift „Die Stille im Dorf“ einen Bericht über Vorgänge im sächsischen Reinsberg. Man kann eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei um einen erfundenen Ort handelt. Die Realität sieht doch anders aus, oder?

Jedenfalls soll dort eine Art Terror Jugendlicher um sich greifen, der nicht in den Griff zu bekommen ist. Fast alle haben Angst, selbst zum Opfer dieses Terrors zu werden, und so wird dieser Ort unwohnlich. Man kann im Text lesen:

Aber König gibt keine Ruhe. Auch wenn sich niemand im Dorf öffentlich auf seine Seite schlagen mag. „Im Gespräch unter vier Augen klopfen sie mir auf die Schulter und sagen, halte durch“, erzählt er. Aber wenn er die Angriffe in der Gemeinderatssitzung oder auf der Einwohnerversammlung zur Sprache bringt, herrsche meist Schweigen. Inzwischen gebe es schon Einwohner, die ihn gebeten hätten, sie nicht mehr zu besuchen. „Die haben Angst, dass sie als nächste attackiert werden, wenn mein Wagen bei ihnen vor der Tür steht.“ [Berliner Zeitung vom 20.11.2008, Seite 3.]

Kann doch nicht sein.

Kann wohl doch. Die Reportage endet dann sehr ernüchternd:

Auf der Straße geht eine Frau vorbei. Nein, ihren Namen wolle sie nicht nennen. Und auch „zu der Sache“ wolle sie nichts sagen. Dann ändert sie ihre Meinung und sagt doch noch etwas. Das Beste für das Dorf wäre, die Königs zögen endlich weg, denn sie seien die eigentlichen Unruhestifter. „Mit den Meyers dagegen wissen wir, woran wir sind“, sagt die Frau. „Halten wir still, halten die auch still.“ [Berliner Zeitung vom 20.11.2008, Seite 3.]

So funktioniert das. Immer wieder. Erosion der Verhältnisse und Umschlag gegen diejenigen, die sich nicht beugen lassen wollen. Das kann es ja nicht sein. Als Kind fragte ich mich schon, wie etwas passieren kann, was sich überall auf dem Globus immer wieder neu ereignet, aber speziell auch in Deutschland in einer Zeit, die so richtig ausartete. Solche beschriebenen Phänomene zeigen, dass es jederzeit möglich ist. Mit oder ohne entsprechender „Weltanschauung“ dahinter.