Offene Kunst verdampft an sich durch ihre neugewonnene Bratwurstigkeit

Das ist eine Bratwurst. Foto: Hufner

Das von mir hochgeschätzte musikalische Feuilleton der Berliner Zeitung wartet in all den zahlreichen Besprechungen von musikalischen Ereignissen immer wieder einmal auch mit noch tiefergehenden Erläuterungen auf. Peter Uehling und Wolfgang Fuhrmann sind wunderbar präzise in ihren Berichten und ich lese sie immer gern – weil ich die Konzerte leider selten selbst besuchen kann.

Zur Oper für alle in Berlin macht sich Uehling einige Gedanken, denen ich in fast allen Punkten zustimmen kann. Sein Kernsatz:

„Für die Kultur sind solche abgespeckten Vermittlungsformen am Ende ruinöser als geringere Saal-Auslastungen, und man meint die Folgen schon am Drum und Dran des Konzerts ablesen zu können.“ (Quelle: Berliner Zeitung, 1.9.2008)

Dann geht es um musikalische Diskurse und Partituren. Und darum, dass es problematisch ist, Kunst nach unten wegzudeklinieren.

„Die Frage ist doch eher, ob man willens ist, sich auf die historischen Ausdrucksgebärden des klassischen Repertoires einzulassen. Dieses innere Entgegenkommen wird von den frei Haus eingeladenen Massen ängstlich nicht mehr verlangt, denn man fürchtet ja, dass sie dann nicht wiederkommen.“ (Quelle: Berliner Zeitung, 1.9.2008)

Anpassung an die schlechte Situation ist das. Und wie Uehling sagt, die Reise gehe „nirgendwohin“. „Statt weiter zu gehen, verkriecht man sich in den Startlöchern“,  heißt es dort. Schließlich plädiert er für eine positive Umdeutung des Begrffs des Museums.

„Kampf und Krampf um Zuschauermassen, um eine Gesellschaft würde sich vielleicht legen, wenn Orchester und Opernhäuser sich ein museales Selbstverständnis zulegten, wenn sie sich darauf einigten, mit aller Liebe und Hingabe etwas zu pflegen, was ohne Bildung, ohne echtes Interesse nicht mehr zugänglich ist. Man würde staunen, wie lebendig es dennoch in diesem klingenden Museum zugeht, wenn sich ihm die neugierigen Ohren der Interessierten öffnen und nicht die ungeduldigen der Erlebnishungrigen.“ (Quelle: Berliner Zeitung, 1.9.2008)

Das ist nicht gerade den entsprechenden Entwicklungen konform, die doch mehr darauf setzen, mit allen Mitteln, Kunst herunterzuvermitteln. Damit sind sie fast auch schon in der Position der alten Pädagogik, die einen André Rieu lobt, weil doch vielleichtv etwas hänge bleibt und Menschen gewonnen werden.

Aber geht es denn um das Gewinnen, um den Kundenstamm, um die künstlerische Dienstleistung auf dem Markt? Oder verspricht Kunst nicht eigentlich viel mehr?