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Widersprüchliches - We believe in music. Foto: Hufner

Popkomm 2007: Widersprüchliches – We believe in music

Letzte Woche auf der Popkomm. Um Kunst ging es selten. Eigentlich ging es nur um Geld und Repräsentation. Keine Frage. Auf der einen Seite, Menschen, die mit aller Macht versuchen, den Status Quo der Rechtewahrnehmung beizubehalten oder gar auszudehnen, in der Mitte jene, die versuchen, ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen, auf der anderen Seite jene, die alles in ein anderes Verteilungsformat umbügeln wollen. Man redet über die Köpfe hinweg, so wie in Funk und Fernsehen in Arztserien ist, wo die Ärzte am Krankenbett stehen und in Gegenwart des Patienten alle Möglichkeiten der Therapie diskutieren. Bei vollem Bewusstsein des Patienten.

Wobei natürlich die Bewusstseinslage des Patienten eigentlich doch nicht ganz klar ist. Ist es ein Wachkoma, ist es überhaupt ein Patient? Wer hat überhaupt Interesse an der Behandlung? Und wie viele Patienten haben es besser, weil sie gar nicht erst im Krankenzimmer des Urheberrechts liegen?

Daneben stehen übrigens zahlreiche Pharmaunternehmen des Urheberrechts. Sogenannte „neue“ Technologien wie geteilte Festplattenanbieter. Oder Selbstheiler. Oder Homöopathen. Eigentlich dürfen die alles machen, so lange, bis sich ein Arzt darüber mokiert oder ganze Patientengruppen dahingerafft sind oder glauben, dahingerafft worden zu sein. Diesen Unternehmen wird in jedem Fall gerne mehr Vertrauen entgegengebracht als den Ärzten mit teilweise extrem langer Ausbildung (was manchmal aber auch zu Fachidiotie führt). Das Erstaunliche ist aber, dass diese Technologiegläubigkeit gerade bei jenen Konjunktur hat, die sonst recht kritisch denken. Das alte Spiel, dass der Feind meines Feindes mein Freund sei. Egal wie ignorant und wirtschaftsbrutal sich so jemand sonst benimmt. Die jammern über Neoliberalismus (linken, rechten, mittigen), meinen aber meistens was ganz anderes, und bejubeln jeden Sieg eines solchen Marktgewinnlers als Fortschritt zu allgemeiner Partizipation. Das ist eine Art Apologie der Hehlerei.

Daneben die üblichen Probleme. Heute in den Mitteilungen.

  • GEMA: Sehr großer Erfolg für die Musikurheber – OLG Köln bestätigt Verantwortlichkeit des Share-Hosters „RapidShare
  • Ver.di: Beschäftigte der GEMA treten in den Streik
  • f!xmbr: Rapidshare darf weiter verteilen

Nun bedarf es einiger Phantasie, diese Meldungen unter einen Hut zu bekommen. Es geht nicht. Nur am Rande erwähnt. Aber noch eine andere Neuigkeit, Gerd Leonard machte mich darauf aufmerksam. Die New York Times hat ihr Online-Angebot wieder weiter geöffnet.

„In addition to opening the entire site to all readers, The Times will also make available its archives from 1987 to the present without charge, as well as those from 1851 to 1922, which are in the public domain. There will be charges for some material from the period 1923 to 1986, and some will be free.“ [Quelle]

Und das, obwohl die Einnahmen aus der Subskription wohl gar nicht mal so schlecht waren. Etwa 10 Millionen US-Dollars bei etwa 227.000 Subskribenten:

“But our projections for growth on that paid subscriber base were low, compared to the growth of online advertising, …“