Name-Doping

Die wahre Kulturwirtschaft. Foto: Hufner

Im Nachhinein wundert es nicht. Dennoch war die aktuelle Pressemeldung des Deutschen Bühnenvereins sehr beschmunzelnswert. Wird darin doch die deutsche Wirtschaft aufgefordert, ihr Engagement im Sponsoring zu überdenken. Die deutsche Wirtschaft sponsort nämlich Sport und Kultur. Und mit großer Wahrscheinlichkeit Sport mehr als Kultur. Das hat Gründe, die einfach darin zu suchen sind, dass Sportsponsoring einfach öffentlichkeitswirksamer ist und damit auch normalerweise als effektiver eingeschätzt wird. Einer Tour de France steht keine Tour de Culture gegenüber. Obwohl mit „Young Euro Classics“ in Berlin, Hamburg und China fast etwas ähnliches geboten wird und den geneigten Lesern des Blogs ans Herz gelegt sein möchte.

„Wer den Sport und seine Doping-Misere satt hat, sollte an die Kunst denken“, so Rolf Bolwin, Direktor des Bühnenvereins, heute in Köln. Kunst und Kultur stehen für Innovation, Kreativität und Diskursfähigkeit. Kaum etwas kann daher das Ansehen von Unternehmen besser steigern als eine private Förderung des künstlerischen Schaffens in unserem Lande. [Quelle: Bühnenverein]

Die Frage wäre aber ernstlich zu stellen, ob es Doping-Probleme im Kulturbereich nicht auch gibt, nur fehlt es an Kontrollen. Da hätten wir zum Beispiel Name-Doping.

Der Kulturmanager nennt dies bekanntlich anders, der Effekt ist ein ähnlicher. Die Veränderung musikalischer Programmierung zugunsten öffentlichkeitswirksamer Auftritte. Dies kann durch Musikernamen geschehen, es kann auch durch die Benennung von bestimmten Komponisten geschehen. Nur wird das nicht als unsportliches Verhalten bezeichnet, wenngleich es, sieht man teilweise auch mal auf die Kulturwellen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das Programm bestimmt. Man erinnert sich an die Initiative Das Ganze Werk aus Hamburg und Berlin, die diesen Verfall im Rundfunk thematisiert als Klassik Radio Light. Man könnte aber vielleicht auch mal tatsächlich Razzien unter Kulturorchestern und -managern machen, um wenigstens ähnliche Voraussetzungen zu schaffen. Drogen- und Medikamentenmissbrauch dürfte nicht so unverbreitet sein – von narzisstischen Störungen einmal ganz abgesehen. Man muss es ja nicht nur auf Orchester beschränken, sondern kann es vom berühmt-berüchtigten Dieter Bohlen bis zu Lang Lang durchführen (womit ich den beiden jetzt nichts derartiges unterstellen möchte sondern nur mal zwei Namen droppen lasse.) Der Schlusspassus der Pressemeldung ist an sich Presse-Lyrik as its best. Im Ausland genießen Theater und Musik aus Deutschland hohes künstlerisches Ansehen:

„Wer eine Operntournee nach Japan fördert, findet neue Käufer, egal ob es um Autos oder Gummibärchen geht“, äußerte Bolwin. [Quelle: Bühnenverein]

Die wahre Kulturwirtschaft. Foto: Hufner

Die wahre Kulturwirtschaft. Foto: Hufner

Welches Weltbild man damit nach außen trägt, ist schon bedenklich, egal wie launisch man es meint. Ich kann in dem Zusammenhang dann nicht umhin, auf eine taktlos-Sendung von vor drei Monaten hinzuweisen, die unter dem Titel „Offene Ohren – nur dank Sponsoren?“ fragte. Kultur also als Transmissionsriemen für die Wirtschaft. Ich leite kein Unternehmen, aber etwas präzisere Kennzahlen zum Thema würde ich mir dann doch schon wünschen. Man stelle sich vor, VW würde eine Operntournee mit Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“ nach Japan schicken. Würde das wirklich dem Absatz von Autos dienlich sein, oder machen die jetzt auch schon in Gummibärchen? Vielleicht wäre es was für eine Firma, die Crash Test Dummies herstellt? Aber vielleicht bin ich einfach nur zu naiv dafür.