Killerspiele und Musikrat

Krähe- Foto: Hufner

Der Deutsche Musikrat moniert den Umgang der Gesellschaft mit so genannten Killerspielen. Heute hat er sich dazu geäußert. Sanktionen allein seien nicht der Weisheit letzter Schluss. „Insbesondere aktives Musizieren“, sei, so liest man dort, „die beste Schutzimpfung gegen Verrohung und Gewalt.“ Ob das so stimmt, sei mal dahingestellt. In der Regel jedenfalls schadet aktives Musizieren auch nicht und häufig genug zeitigt es auch wohltuende Nebeneffekte. Dazu braucht man keine vielen Untersuchungen. Das ergibt sich aus eigener Erfahrung. Man kennt aber auch aktives Musizieren, welches nicht weit vom durchgeführten Mobbing entfernt ist. Musik kann viel und Musik kann wenig. Auf jeden Fall kann man sie für zahllose Ziele einsetzen. Aber Schutzimpfung, das ist vielleicht doch etwas weit hergeholt.

Die Sache wäre nicht weiter des Aufhebens Wert. Ziel dieser Mitteilung des Deutschen Musikrats ist etwas anderes. Christian Höppner, der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, wehrt sich gegen eine positive Kunstbewertung in anderen Teilen der Kultur-Lobby.

Es ist schon grotesk, wenn sogar aus einem großen Kulturdachverband vereinzelt die Forderung erhoben wird, Computerspiele – und damit auch die so genannten Killerspiele – unter den Schutz der Kunstfreiheit zu stellen. Diese Absurdität wird nur noch durch die Forderung an Kulturstaatsminister Bernd Neumann übertroffen, diesen Bereich finanziell zu fördern. [Quelle: Deutscher Musikrat]

Mit dem großen Dachverband ist unnamentlich aber eindeutig der Deutsche Kulturrat gemeint. Nur hat der Deutsche Kulturrat sich nie so geäußert, wohl aber hat sein Geschäftsführer Olaf Zimmermann in zwei Beiträgen für die nmz zu dem Thema Stellung bezogen:

Was macht so eine Diskussion unter zwei großen Kulturverbänden deutlich? Einfach, dass man sich nicht klar ist, dass einige Missverständnisse im Umlauf sind. Dass manche Missverständnisse möglicherweise aber nur als Grundlage dafür dienen, ein anderes Thema auf die Agenda zu setzen. Theo Geißler (Herausgeber der nmz) hat sich im KIZ eingeschaltet. Er warnt vor den Gefahren einer „Bastian-Falle“ und:

Die Gründe für die Verrohung und Verwahrlosung unserer Gesellschaft, für die miserable Erziehung und Ausbildung vieler unserer Kinder sind zahlreich und vielschichtig. Maßlose Vergröberung in der Analyse hat zur Problemlösung allerdings noch nie beigetragen, eher das Gegenteil bewirkt. (thg) [Quelle]

Ich empfinde den aufkeimenden Streit zwischen Kultur- und Musikrat als relativ produktiv, nicht in der Sache selbst, sondern an sich. Manchmal wird man das Gefühl ja nicht los, als wäre das ganze sonstige taktische Zusammenhalten eher aus der Not als der Tugend gewonnen. Von mir aus dürfte es durchaus mehr Streit geben. Solange dafür ein Anlass besteht. Aber aufzupassen hat man schon, ob nicht mancher Schuss nach hinten losgehen könnte. Man kann ja auch anders: Sind denn nicht etwa zahlreiche Werke der Musiktheaterkunst zutiefst brutal. Werden da nicht Eifersuchtskillerdramen mit Steuermitteln auf die Bühne gebracht. Haben nicht die Passionen ebenso die Folter eines Menschen zum Gegenstand, nebst Anklage gegen ein brutales Rechtssystem. Der Kopf des Johanaan wird präsentiert spektakulär auf dem Tablett. Zuvor mit sieben Schleiern leicht gepeept? Ich meine ja nur: Oder sollten solche Werke dann einfach keine Alterfreigabe erhalten? Konsequent wäre vielleicht auch dies, lieber Deutscher Musikrat.


  • Zuerst erschienen in der Kritischen Masse 2017/05