Lebenswertes Deutschland

Bernd Neumann. Foto: Martin Hufner

Heute eine neue sinnlose Umfrage. Seit ein paar Stunden haben wir in Germania eine neue Regierung. Die will Kultur als Investition und nicht als Subvention sehen, so gesagt von Frau Kanzler und wiederholt von jemand, der dem Kohl seinerzeit in Bremen das Pult mit verjuckten Worten überließ. Da war der Alt-Kanzler etwas maulfaul, was Spenden angeht und was er so unter Ehre versteht. So hat der Kanzler seine und mancher Berliner Türke die seine und sowieso alle die ihre. So sieht sie aus, die christlich-islamische Wertegemeinschaft in Europa. Man muss wieder zu etwas stehen können, braucht einen Halt in dieser ziellosen wirren Zeit, wo man nicht mehr in öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie selbstverständlich älteren Personen seinen Sitzplatz anbietet. Das können andere schließlich viel besser.

Schnoddrig geht vor. In so einer Zeit braucht es einen Kulturstaatsminister im Kanzleramt, der Vorhölle sozusagen. Die oder das Gesuchte hüllt sich in Worte. Man nennt es beim Namen: DIE BEAUFTRAGTE FÜR KULTUR UND MEDIEN und ließ sich verlauten:

Nun, die heutige Redezeit ist kurz, die Legislaturperiode aber lang. (…) Meine Damen und Herren, es ist viel zu tun und noch viel mehr, als das, was in der Koalitionsvereinbarung steht.

Es zitiert den Kanzler so:

Unsere kulturelle Vielfalt ist einzigartig. (…) Unsere Kultur ist die Grundlage unseres Zusammenhaltens. Deshalb ist Kulturförderung für diese Regierung keine Subvention. (…) Sie ist eine Investition, und zwar eine Investition in ein lebenswertes Deutschland.

… in ein lebenswertes Deutschland. Danke, Frau Kanzler. Die richtige Laberbacke dafür ist gefunden.

Vita brevis ›

Ein Nachtrag: Frau Kanzler, Sie beherrschen die Kunst der sprachlichen Leerformel. Ein Wortsalat, abgehübscht, jawohl. „Kultur als Grundlage unseres Zusammenhaltens.“ Da hält zusammen, was zusammen gehört. Ich halte mit Ihnen zusammen, mit meiner Regierung, die mir Deutschland lebenswert machen will – mit Investitionen. In was: In Deutschland. Unsere regierungserklärungsmäßige Notdurft ist so einfältig, dass einem dazu wirklich viel nicht mehr einfällt.

Und lieber Kulturrat, nein, Frau Kanzler redet nicht von Investitionen in Kultur, das tut sie ausdrücklich nicht. Kultur selbst ist die Investition. Das ist bestenfalls je eine Binse. Ist das Ziel erreicht, das lebenswerte Deutschland, dann bedarf es der Kulturförderung nämlich nicht mehr. Und mal ehrlich, ist unser Deutschland etwa nicht lebenswert? Bedarf es dazu dieser Frau Kanzler?

Die Frage ist ja wohl auch: Lebenswert für wen? Na gut, es wird einigen Unternehmsberatungen wieder etliche Summen zukommen lassen für neue Lebenswert-Berechnungen.