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Hochsitz bei Ringenwalde. Foto: Hufner

Funk-Krach [Wie der rbb durch Dr. Christian Detig auf Dr. Joseph Goebbels verwies]

Der Rundfunk treibt Blüten – im Zeitalter seines Abgangs. Neuerdings scheint es durchaus wieder modisch zu sein, die Abflachung des Kulturniveaus durch braunumrandete Rundfunkideen zu legitimieren. Der Musikchef des RBB (Radio Berlin-Brandenburg), Dr. Christian Detig, verwies ohne große Umschweife auf Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und zitierte ihn verkürzt:

„Das Programm des Rundfunks muss so gestaltet werden, dass es den verwöhnteren Geschmack noch interessiert und dem anspruchslosen noch gefällig und verständlich erscheint. Dabei soll besonderer Bedacht auf die Entspannung und Unterhaltung gelegt werden, weil die weitaus überwiegende Mehrzahl aller Rundfunkteilnehmer einen Anspruch darauf hat, in den wenigen Ruhe- und Mußestunden auch wirklich Entspannung und Unterhaltung zu finden. Dem gegenüber fallen die wenigen, die nur von Kant und Hegel ernährt werden wollen, kaum ins Gewicht.“

Detig ergänzte unvoreingenommen und neonaiv:

„Und ich behaupte mal, das könnte so ohne große Abstriche jeder ARD-Intendant auch unterschreiben, ich übrigens auch, ich lasse es aber lieber, denn dieses Zitat stammt von – bitte anschnallen! – Joseph Goebbels.“

Detig stimmt dem also zu, alle ARD-Intendanten vereinnahmend. Nur der Name des Autors lässt ihn noch zurückzucken, aber eben nur aus vorgeschobenen Gründen einer „political correctness“, keineswegs aus inhaltlichen.

Wie bitte? Liebe Intendanten der ARD, das lasst ihr auf euch sitzen oder habt ihr Detig als taktisches Damenopfer vorausgeschickt? Das Beleidigen von Hörern übt seit einiger Zeit der Hörfunkdirektor Romann, jetzt lasst ihr einen Musikwellenchef die ideologische Scheißarbeit machen. Aber was ist zu vernehmen zu dieser Frage in eurem sonstigen Quoten-Funkkrach? Funk-Stille. Schweigen kann ja so beredt sein. Alles eine Frage der Zeit, denn vielleicht habt ihr ja bald schon auch die passende Regierung zu eurem Programm.


Original in neue musikzeitung 9/2005, S. 10.