Wahlprüfsteine der Kritischen Masse: Bündnis90/Grüne [2005]

Unterstützung für die Pflanzen. Foto: Hufner

Keine Abkürzung, dafür zu lang. Ja was denn nun: Bündnis 90 oder Grüne. Überhaupt Bündnis 90. Was soll denn das bitte sein. Strahler 70 kenne ich noch, war eine Zahnpasta. 2001 — Versand von Platten und anderem Gedöns. Grüne, Menschen in Grün, wie: Polizei?

Ich weiß nicht, Schily, ja der war „grün“. Ist jetzt Polizeiminister in der Regierung, hatta gut gemacht. Petra Kelly, General Bastian, Jutta von Ditfurth. Allesvorbei. Erinnere noch wie der spätere Bundesminister Rupert Scholz den Grünen ihren Parteistatus aberkennen wollte, weil sie partout nicht mit Koalitionswunsch antrat sondern explizit als Oppositionspartei. Das wird sie wohl wieder werden. Opposition ist gut, gerade für die Grünen. Kann man sich aber nicht mehr vorstellen — mit was sollen die denn Opposition machen; ist eine Vertrauensfrage.

Aus der alten Riege noch da der Herr Ströbele. Ach, klar. Erinnert sich noch jemand an das Rotationsprinzip in den 80er Jahren. War eine nette Idee, aber sinnlos, täte der Partei aber auch gut. Mal die alten Schranzen durchrotieren lassen, Trittin wird Künast, Künast wird Schily, Schily wird Fischer, Fischer wird Trittin.

Immerhin kommen die Grünen nicht auf die Idee, den sabbernden Krempel mit der Arbeit auf ihre Plakate zu kleben. Die haben ja auch Arbeit, vor allem vor sich. Ihr Spitzenkandidat heißt angeblich Joschka und zu dem soll man „Ja“ sagen. Warum, das sagt er nicht. Weil er Rheuma hat und einen guten Sessel braucht? Weil er sonst nichts zu tun hat?

Mittlerweile also angekommen in der Parteienlandschaft stehen sie aktuell davor, entweder da weiter zu machen, wo sie sowieso waren: Abnicken und Einpennen und Salutieren oder eben sich was neues einfallen zu lassen. Bloß wer soll sich da was einfallen lassen, mir fällt da niemand ein.

Die Grünen haben ihr Politikfeld verloren — okay, Windräder, Fahrradfahren und auf-Menschenrechte-vorallemwoanders-hinweisen. Gerne.

Unterstützung für die Pflanzen. Foto: Hufner

Unterstützung für die Pflanzen. Foto: Hufner

Rückblick: 1990 kamen die Grünen in Westdeutschland nur auf 4,8%, was nicht gerade viel war. Bündnis90 im Osten immerhin auf 6,2%, das machte zusammen 3,8 Prozent — obwohl, kann das stimmen? Im Bundestag saßen folglich nur die aus dem Bündnis90. Eine schlimme Schlappe für die West-Grünen damals. Wie auch immer, seither ging es vor allem im Osten mit dem Bündnis90 und den Grünen stetig berab. Dabei hat der Osten viel mehr Natur als der Westen. Da gibt es ganz viele tolle Seen zum Beispiel, plattenweise sozusagen. Der Wald ist noch herrlich chaotisch. Die Straßen sind inzwischen ausgebessert und die Wegweiser auf den Straßen auch einigermaßen verständlich. Aber dafür können die Grünen nun nüscht. Schade ist es um das Bündnis 90. Es zeigt, wie vergesslich man ist. Denken wir da beispielsweise an Wolfgang Ullmann, ein Querkopf, schrullig und klug, fast ein wenig weise und der letztes Jahr verstarb.

Oder Matthias Platzeck. Bündnis 90 hat sozusagen sogar einen Ministerpräsidenten. Nur ist der jetzt bei der SPD, weil er den Zusammenschluss von Bündnis 90 und Grünen nicht mitvollziehen wollte. Platzeck sagte in seiner Zeit als DDR-Minister beispielsweise:

„DDR-Min. Platzeck betonte die Notwendigkeit, die Selbstbestimmung der DDR zu erhalten. Es sei nicht Schuld der DDR-Bürger, daß es zu der jetzigen Lage gekommen sei; deshalb könnten sie mit Recht Hilfe erwarten. Das Vorgehen der Bundesregierung und die massive Einmischung der westdeutschen Parteien in den Wahlkampf der DDR erwecke dort aber den Eindruck der Fremdbestimmung; die Menschen hätten das Gefühl, sich nicht wiederzufinden. Der Kampf des Oktobers dürfe aber nicht umsonst gewesen sein.“

Alles aus und vorbei. Wiedervereinigung spielt jetzt bei den Grünen keine Rolle mehr. Achso, höre ich da sagen, wir sind doch längst wiedervereinigt. Naklar, nur der Osten wohl nicht, oder?

Grüne: ich sag ja zu gesundem Essen. Plakat 2005.

Grüne: ich sag ja zu gesundem Essen. Plakat 2005.

Die Sache ist natürlich zu ernst, als dass man sich damit auseinandersetzen müsse. Ansonsten sind die Grünen mittlerweile ein Verordnungs- und Korinthenkacker-Partei geworden. Von Eigeninitiative hält man nicht viel. Für alles muss es eine Verordnung geben, das Stapeln von Blechbüchsen, über den Inhalt von Schokolade, demnächst muss das wohl auch auf jedem säugbaren Busen vermerkt werden (siehe oben). Verbraucherschutz für Babies etc.pp. Nur die Grünen selbst haben Probleme damit, ihre Inhaltsstoffe anzugeben. Vielleicht ist da auch gar nicht mehr so viel dahinter.

Mein Fazit: Tendenziell noch wählbar, aber überflüssig. Die Partei sollte sich wieder darauf besinnen, dass es selbst zu den alten Bunt-Stick-Parteitagen mehr Substanz gab als jetzt. Für mein Gefühl sagen die mittlerweile zu viel „Ja“.