September 30, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Bliz aktuell: Zum Fürchten

Auf der ersten Seite des hiesigen Bliz aktuell (Regensburg, Nr. 46, 14. November 2004) sind offenbar die busenfreudigen Trampel der Regio ausgegangen. Da wird ein armes Mädel schnell zum aufregenden Gardemädchen gemacht. Dem scheint es nicht gerade besonders zu gefallen, der Fotograf und die Bildredaktion des Zeitung geben sich nicht sonderlich Mühe, wenigstens den Blitz aus der Brille zu retouchieren. Ein furchtbares Foto, an der Grenze zur Verachtung. Shanine ist laut Bliz acht Jahre alt und sie „schaut ein bisschen ernst“, es sei die „Aufregung“. Ja um Himmels Willen. Wer gibt denn der Presse Recht, das arme Ding so zu misshandeln. Hätte nicht mindestens die Trulla hinten rechts in ihrem roten Hoppelkleid mit den Perlen um den Hals Einhalt bieten müssen. Hat Shanine denn keine Eltern, die sie vor solch einem Scheiß bewahren konnten. Das Bild wird ungewollt zur Anklage gegen den ganzen Zinnober von Fasching, Kinderarbeit, Erwachsenengeil- und lallheit (die Titelzeile macht denn auch aus dem aufgeregten Gardemädchen ein „aufregendes“). Semmel würde sagen: „Ich prangere das an.

[Man kann da jetzt vorwerfen: „Hufi, du Sau, du bringst doch selbst das Foddo aus dem Bliz und machst die Sache damit nur noch schlimmer.“ Da ist natürlich was dran. Man muss sich da fragen, darf man das Unrecht überhaupt noch benennen und darlegen? Wird es dadurch nicht perpetuiert? Augen zu und durch! So ganz blöde ist der Vorwurf schließlich nicht.

Bliz aktuell
Bliz aktuell

Ist es anderen nicht auch schon einmal aufgefallen? Da gibt es einen bösen Busunfall irgendwo mit zig Verletzten und Toten. In den nächsten Tagen scheint es dann, wenn man der Presse trauen kann, als ob eine Busunfall-Epedemie ausbricht. Oder bei Tanker-„Unglücken“? Wenn da erst einmal einer angestochen auseinanderbricht, fallen auf der ganzen Welt plötzlich die Schiffe auseinander. „Selektive Rezeptionsfokussierung infolge permanenter Angstüberflutung durch Erwartungshorizontverschiebung“, würde ich das nennen. Oder: eine journalistische Blutgrätsche.

Natürlich hoffe ich nicht, dass jetzt sämtliche deutschen und weltweiten Presseorgane derartige Bilder publizieren. Aber der Fasching oder Karneval wird seine eigenen Pressegesetze aufstellen.

Im der gleichen Ausgabe auf Seite 16 neben dem Mädchen von neben an („Brust raus, Bauch rein“) wird vermeldet (O-Schrift): „Die Kids entdecken die deutsche Sprache wieder.“ Die Kids also. Mensch, Redakteur vom Bliz, das ist ja geradezu potz. Allerfeinste Ironie, so wie man das vor Tagen noch konnte, geradezu subversiv.

Auch in der Alltagssprache der Jugend ersetzt „fett“ immer öfter das englische „cool“. „Da versteht man wenigstens, was der andere meint“, finden Kerstin Behammer und Theresa Stenzl (beide 14).

Und natürlich Kitts. Das finde ich allerdings auch voll knorke. Das Essen neulich fand ich auch cool, ähem fett(ig) — und das bin ich jetzt auch. Also, das hier stammt aus Regensburg und ich möchte mich in aller Form entschuldigen für diese Zeitung. So tumb sind die Regensburger dann nämlich auch wieder nicht; hoffe ich zumindest.

Fehlt nur noch der Polizeibericht. Wieder einmal mehr Alkohol. Lasst die Finger davon!

Trunkenbold
Straubing — Er hatte gerade seine Wodkaflasche geleert, da machte es Bums: Auffahrunfall. Die Fahrerin des beschädigten Autos wurde leicht verletzt, der Trunkenbold ist seinen Führerschein los.

Aber man muss die Sache ja auch mal positiv sehen. Es wurde bei diesem Auffahrunfall nur ein Auto beschädigt. Immer wieder überrascht aber der lebensechte Reportagestil der Bliz-Redaktion; gerade so, als ob der Autor im Auto des Trunkenboldes gesessen habe; womöglich selbst der Trunkenbold war. Man müsste der Bliz-Redaktion aber vor dem Führerschein besser die Presseausweise abknüpfen.