Kompositorische Innovationen 1979

Fotoapparat op. 1

Eben ausführlich mit P.B. telefoniert über Reger, Bach, Beethoven und allerlei. Dabei fiel dann das Wort von kompositorischen Innovationen. Irgendwer meinte in der Newsgroup de.rec.musik.klassik Beethoven sei nicht innovativ gewesen. Das ist auch egal, ob ja, ob nein. Der Begriff der Innovation trifft nichts Wesentliches im Fach der Komposition. Ich war nämlich auch einmal innovativ, habe, zwar zu spät, dafür in Unkenntnis 1979 einmal repetitive Musik erfunden (was man heute gemeinhin aber falsch als Minimal Music zusammenfasst).

In meinem wenig beachteten op. 1 „Zyklus der Kunst für Violine solo“ gibt es ein Stück mit dem Titel „Der Fotoapparat“.

Fotoapparat op. 1

Fotoapparat op. 1

Das war gedacht als Programmmusik im einfachsten Sinne. Teil a) da wird der Apparat zusammengeschraubt, Teil für Teil. Die Takte füllen sich also Note um Note. Genauso geht es mit der repetitiven Musik bei Steve Reich oft auch; nur eben ohne dieses Bild. Eingebaut in Teil a) ist auch ein Fehler, der in Teil c) [16tel müssen von Ton zu Ton gleiten, schmieren!!! Nur Glissandi dieser Töne, nach Belieben verlängern] dann zum Versagen des Fotoapparates führt. Teil b) [kräftig energisch, dann gefühlvoller werdend] handelt vom Handeln beim Verkauf, bei dem sich die beiden Partner gegenseitig annähern und einigen.

Das Stück, mit einem Wort, war innovativ, nur hat es keiner bemerkt und es war auch nicht innovativ, denn Musik dieser Machart gab es ja schon, nur wusste ich es nicht. Der Vergleich zu Eroberung der Integralrechnung bei Newton und Leibniz bietet sich da noch an, wäre aber etwas vermessen.

So kommt es, dass hier ein junges Talent, unentdeckt, innovationsreich startete und in Konventionen endete.