Akt-Aufnahme I Langweiliges Fotto – Dosenleid

Die Dose, die wir sind. Foto: Hufner

Man kann den Traffic einer Seite erhöhen, selbst wenn man es nicht will; einfach so aus Spaß.

Zum Leben eines “guten” Fotografen gehören irgendwann auch einmal Aktaufnahmen, oder wie der Pofel sagt: Nacktaufnahmen. Wenn das Geld für einen Selbstauslöser nicht reicht und man selbst als Model einfach nicht ins richtige Licht findet, dann müssen Modelle her. Die freilich sind auch nicht immer ganz günstig zu beziehen. Eigentlich sind sie eher ein Umstand denn ein Linsenobjekt. Außerdem stimmt sowieso das Licht nie und nimmer. Das leidige Kunsturhebergesetz sowie Persönlichkeitsrechte setzen weitere Schranken.

Aktbilder von Gummibärchen hatte ich schon hinter mir, da hieß es zu neuen Ufern aus- und aufbrechen.

Die Dose, die wir sind. Foto: Hufner

Die Dose, die wir sind. Foto: Hufner

mein schultheisz
hält die dose sich über dem bauch und streichet den deckel,

sagt Eduard Mörike mit sublimsten erotischen Worten. Doch wie dramatisch setzt es hier der Fotograf um. Entkleidet ihres individualisierten Mantels offenbaren die Dosen ihr gelebtes Leben. Mit Schrammen des Transportes, ihrer Verstapelung und misshandelt von Dosenöffnern. Die Qual der Dose in Szene gesetzt durch das leidvolle Gekipptsein, das ihre Funktion zugleich reflektiert und hier in ihrer Nacktheit zugleich negiert. Mitleid mit der Dose, die ins grelle Blitzlicht gerät und nichts verbergen kann. Die artistische Meisterschaft dieses Portraits gleichwohl macht diese Geschichte nachvollziehbar. Die Niedergeschlagenheit, das Gedrücktsein. Auch das Kollektiv bietet keinen Schutz länger mehr. Ein Bild der Versagung und der Nichtigkeit allen Daseins.

“Sie wir nicht alle diese Dose?” will uns wohl der Fotograf fragen. Sind wir nicht alle zu diesem Gerümpel geworden? Nein, denken wir uns, wir sind doch “wer”, wir sind Individuen, wir machen unsere Geschichte selbst. Darin liegt vielleicht dann doch die Schwäche dieses Aktes. Statt sich selbst im anderen zu erkennen, markiert es den Graben zwischen Objekt und Subjekt zu deutlich. Statt Empathie suggeriert dieses Bild Distanz. Die nackten Dosen des Bildes bitten zu deutlich um Liebe. Diese wird ihnen nicht gewährt, denn dazu haben wir auch zu zahlreiche Erfahrungen mit dem Beballern von Dosen auf dem Jahrmarkt. Was wundert es da, dass wir nicht merken, welche Abzocke das ist – vor allem auf dem Wiener Prater. Auch im Falle der Einführung des Dosenpfandes: nur Kopfschütteln. Was hat das zur Emanzipation der Dose beigetragen? Es hat die Ausbeutung nur verschärft. Eine leere Dose, die plötzlich zum Geldäquivalent wird, ist rein markttechnisch zum Du&Du geworden.

So mag dieses Bild doch anregen, einmal mit etwas anderen Augen durch die Supermärkte zu gehen und die Dosen als das zu sehen, was wir sind, uns aber nicht einzugestehen trauen.