Oktober 1, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

„Das Schöne lauert überall“

Man könnte eigentlich die Sache mit dem MDR abhaken. Aus MDR KULTUR wurde MDR FIGARO. Wortreich haben die Verantwortlichen sich ihrer Verantwortung gestellt und damit selbstverständlich das gemacht, was sie machen sollten: Dem Einwand einer Entwortung des Programms etwas entgegen setzen.

Hörfunk-Chefin Barbara Molsen etwa: Man habe jetzt “auch das weite Feld der Alltagskultur im Blick. Zu dem Mode und Design genauso gehören wie Wohnen und Reisen, gutes Essen und Trinken oder das Gespräch mit interessanten Menschen.” Lassen wir es beim Trinken und Reisen. Wein (Rainer Damm, Barbara Friederici …) oder Reisen (Michaela Beddies, Vladimir Balzer …), gehören offenbar zu den Stärken dieser Truppe wenn man einmal die Selbstdarstellungen der Mitarbeiter dieser Welle durchgeht. Alles vereint in von der freien Mitarbeiterin Elgin Heuerding, (die als Interessen angibt: “Essen,Trinken,Reisen und vieles andere mehr”) bis zum Wellenleger Dr. Detlef Rentsch (der als Interessen notiert: “Musik, Sport, Reisen, Guter Wein”). Obwohl auch das schon wieder sehr witzig ist, dass so einer zwischen gutem und schlechtem Wein unterscheidet, bei Musik offenbar jedoch sich sowohl für gute wie schlechte Musik interessiert.

Man kann sich also fragen, hat man das Programm seiner Machern angepasst? Alles Rumreiser und Weinamseln?

MDR Slogan 2004.
MDR Slogan 2004.

Hörfunkchefin Molsen macht es sich dabei sehr einfach. Defizite werden nicht beklagt. Vom alten MDR KULTUR heißt es da: “Das alles bieten wir schon.” Also war MDR KULTUR nicht so schlecht gedacht. Aber leider ist KULTUR eine Eingangsbarriere, wie “Experten” wüssten. “Und die wollen wir mit dem neuen Namen MDR FIGARO beiseite schieben.” Also Problem so einfach beseitigt, dass man fast nicht drauf gekommen wäre.

Nun aber, wo man den neuen Namen hat, darf sie sagen: “Natürlich werden wir nicht nur den Namen, sondern auch das Programm verändern.” Na also, warum nur einen Schritt tun, wenn man zwei auf einmal machen kann. Eingangsbarriere niedergewälzt und Programm umstrukturiert. Aber das sei eben keinesfalls eine “Entwortung” des Programms. Im Gegenteil, es wird jetzt noch mehr gelabert. “Ganz im Gegenteil, keiner unserer Hörer muss ab Januar auf seine Sendung verzichten,” sagt sie. Und Logik verstehe, der mag. Frau Molsen zurück in den Schulfunk und nachlernen.

In der Programmzeitschrift “Triangel” ist man da offener, wenn der stellvertretende Musikchef sagt: Man mache einen “unterhaltsamen, positiv gefärbten Soundstream, der den Alltag freundlich zu umrahmen vermag”. Es gehe um ein “Nebeneinander heterogener Programmelemente in einem homogenen und stringenten Soundstream.”

Soundstream? Wolfgang Rihm hineingepackt in einen Soundstream. Oja, der arbeitet jetzt an seiner Komposition “Soundstream 1 bis 12”. Denn auch er möchte ja man gespielt werden, und Helmut Lachenmann auch (positiv gefärbte negative Musik?).

Ihr Weintrinker vom MDR, habt ihr da etwa zuviel vom Aldi-Schluckstream zu euch genommen? Positiv und rot gefärbt? Und seid ihr alle zu Pauschaltouristen des Hörfunks geworden, der euren tristen MDR-Alltag “freundlich zu umrahmen vermag?”

So wirds wohl sein. “Das Schnöde Schöne lauert überall.” Toller Werbeslogan.

Nachtrag 1: Unwort
Unter MDR FIGARO sucht das Unwort des Jahres kann man sein Unwort eintragen. Ich hätte da zwei: MDR FIGARO und SOUNDSTREAM.

Nachtrag 2: Die aktuelle Playlist von MDR FIGARO:
Mittwoch 14.01. | 13:51: Galopp (bearbeitet für Flöte, Oboe, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte und Kontr
Mittwoch 14.01. | 13:43: No smoke blues
Mittwoch 14.01. | 13:42: Dinner, Aus: Big night (Film, 1996)
Mittwoch 14.01. | 13:37: La ballata del fiume blu
Mittwoch 14.01. | 13:27: Mi amor

Welcher Sender? Klassik-Radio? Ähem, ne.