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Zwei Freunde. Foto: Hufner

Bruno Liebrucks: „Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik“

„Die Hintergehbarkeit der Sprache ist nur um den Preis möglich, daß der Schluß nicht schließt.” So zu lesen in dem Beitrag zu einer Festschrift unter dem Titel: “Über einige transzendentale und einige dialektische ‘Implikationen’ der formalen Logik.”

Davon verstehe ich nicht viel. Mich deucht nur ein Grobes, von dem zu ahnen, was Liebrucks 1971 verfasst hat. Denn er kommt gegen Ende des Artikels zu sehr schönen Formulierungen:

„Die Schätze der Tradition können wir nicht wegwerfen, ohne sie zu heben. In jedem Erkenntnisakt findet Abschied statt. Der Abschied von der Tradition besteht darin, daß man sich ihr zuwendet.” (S. 15)

Das klingt furchtbar dialektisch und daher ziemlich klug oder eben auch ziemlich banal. Nun, Liebrucks ging wohl von der Frage aus, wie und ob “formale” Logik, so sie in Sprache tritt auf nur formale Aspekte zurückführbar ist. Ist George W. Bush ein Problem der „formalen Lofik”? Eben.

“Die Reduktion der Logik auf ihr formales Moment faßt Sprache als Inbegriff von Operationen und Zeichen oder Handlungsschemata auf und verfehlt den Erkenntnischarakter jeder Einzelsprache wie der Sprache als solcher.” (S. 14)

Liebrucks wendet sich gegen Carnap, wenn dieser „die Aufgabe eines lyrischen Gedichtes nur darin sehen [kann], ‘unsere Gefühle ausdrücken zu wollen’.” Und er erklärt: “Es ist durch den Tatbeweis aller Dichter, die den Namen verdienen, gezeigt und ausgesprochen, daß der Umkreis der schlechten Subjektivität dichterisch überschritten werden kann.” (S. 3)

Liebrucks wendet sich in dem Text gegen eine auf Formales reduzierte Annahme von Sprache, wie es sie bei Wittgenstein zum Beispiel im Tractatus findet. Die Welt ist mehr als eine Ansammlung von Tatsachen und Sachverhalten – gut, das sagt Wittgenstein auch. Nur Wittgenstein schiebt den Rest beiseite als unwissenschaftliche Gegenstände, die dann dem Mythos oder der Magie zugerechnet werden könnten. Ich selbst kann aber nicht umhin, auch den Tractatus als Sprachmagie zu verstehen. Das formal-logische dieses Textes ist auch mehr als nur das formal-logische – im billigsten Fall eben Literatur. Wenn es anders möglich gewesen wäre, hätte Wittgenstein sich einer ‘reinen’ Symbolsprache bedienen müssen. Und auch dann wäre er gescheitert.