Musik hat eine große Zukunft – keine?

Musik hat keine Zukunft. Foto: Hufner

Das jedenfalls meinte Gerd Gebhardt auf der vergangenen Internationalen Funkaustellung. In einer KeyNote versuchte er das auch zu begründen. Wenn man seine Ausführungen ernst nehmen möchte – und dies muss man wohl auch, denn er ist Vorsitzender eines großen Verbandes – dann steht eine vollkommene Austauschaktion bevor. Gebhardt sagt:

Musik hat auch weiterhin eine große Zukunft. Diese Zukunft ist aber davon abhängig, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Musik ist attraktiver als je zuvor, aber die Verwertung ist schwieriger geworden. Heute, wo immer mehr Musik gehört, aber immer weniger gekauft wird, brauchen wir effektive Schutzsysteme, einen wirksamen Rechtsrahmen und vollkompatible Abspielgeräte. Hierfür brauchen wir eine enge Abstimmung mit den Geräteherstellern.

Vollkompatible Geräte, das können nur Abspielgeräte sein, die an neue Schutzsysteme angepasst sind. Es ist doch klar, worauf das hinausläuft: Neue Geräte können nur solche sein, die sowohl alte Musik-CDs abspielen wie auch neue geschützte CDs. Dass bisher die Geräte durch gemeinsame Standards vollkompatibel waren, ist passé. Die neue Vollkomapatibilität wird nötig. Wie professionell das die Gerätehersteller bisher gehandhabt haben, hat sich an den zahlreichen Formaten für die DVD gezeigt. Das macht in der Tat Hoffnung.

Musik hat keine Zukunft. Foto: Hufner

Musik hat keine Zukunft. Foto: Hufner

Das macht genauso viel Hoffnung wie die Kooperation der Gerätehersteller in der Auseinandersetzung mit den Urheberrechtsverwertungsgesellschaft wie der Gema. Natürlich war Hewlett-Packard sofort bereit auf die Wünsche der Gema einzugehen. Der Streit dauerte wohl mindestens zwei Jahre an. Das nur als Randbemerkung zur Kooperationsbereitschaft der Gerätehersteller.

Doch dieses mal scheint ja alles anders. Gerd Gebhardt:

Die Zukunft des Musikhörens liegt in geschützten Umgebungen. Heute schon sind viele CDs kopiergeschützt, und es werden immer mehr. Solange das Schutzsystem aber ausschließlich als Teil des technisch nun schon zwanzig Jahre alten Tonträgers funktioniert, ist es unflexibel und starr. Ich bin sicher, dass wir schon mittelfristig Geräte kaufen können, die kopiergeschützte Inhalte erkennen und aktiv unterstützen. Das bedeutet dann, dass die Inhalte wirksamer als heute geschützt sein werden und gleichzeitig die Abspielsicherheit steigt. Außerdem werden dadurch individuelle Nutzungsoptionen ermöglicht.

Das Wort von den geschützten Umgebungen hat zahlreiche Kommentare herausgefordert. Zumindest könnte Gebhardt so selbst selbstkritisch sein, die Konsequenz daraus zu ziehen, dass man mindestens nicht an dem unflexiblen und starren System des 20 Jahre alten Tonträgers (gemeint ist die Audio-CD) nicht herumzuschrauben und mit dem Einsatz von Schutzsystemen solange zu warten, bis die Geräteindustrie sich die neuen Standards erarbeitet hat. Diese Forderung spricht er ja implizit aus. Momentan wird der Audio-CD-Markt jedenfalls durch die diversen Schutzsysteme mit ihren funktionalen Störungen erheblich behindert. Eine funktionierende Technik macht man momentan Stück für Stück kaputt. Und wer weiß, ob die zukünftigen Geräte dann all diese aus dem Boden schießenden Schutzsysteme noch abspielbar macht. Diese Ungewissheit über die unsichere Zukunft der Tonträger gibt einfach keine Sicherheit und wird meines Erachterns mindestens eine Zeit lang den Absatz von CDs mit Musik sinken lassen. Gebhardt verkauft ungelegte Eier – aber sehr gut. Gebhardt langer Rückblick auf seine musikalische Techniksozialisation sollte doch die Lehre nach sich ziehen, dass nur in Kontinuität von Technik und ihrer Zukunftssicherheit auch Sicherheit für die Konsumenten von Musik liegt. Seine alte Revox-Bandmaschine ist alles andere als vorbereitet auf den Einsatz in geschützten Umgebungen.

Zu fürchten ist eher ein ähnliches Debakel wie seinerzeit bei der Einführung von Videokassetten, als Betamax, Video2000 und VHS um den Markt gerungen haben. Das ist doch auch das Prinzip der technischen Entwicklungen. Sie werden nicht für die Konsumenten entwickelt sondern in steter Konkurrenz unter den Geräteherstellern.